Grenzen spüren und ihnen vertrauen

Grenzen wahrzunehmen ist eine zentrale Fähigkeit im pädagogischen Alltag. Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit bewegen sich täglich in Beziehungsfeldern, die Nähe, Präsenz und emotionale Offenheit erfordern. Umso wichtiger ist es, die eigenen Grenzen zu spüren und ihnen zu vertrauen.

Grenzen zeigen sich oft zuerst im Körper. Müdigkeit, innere Anspannung, ein Druckgefühl oder das Bedürfnis nach Abstand können Hinweise darauf sein, dass eine Grenze erreicht ist. Diese Signale früh wahrzunehmen hilft, Überforderung zu vermeiden und das Nervensystem zu schützen. Grenzen sind keine Barrieren, sondern Orientierungshilfen.

Im Berufsalltag werden Grenzen häufig übergangen. Der Wunsch, verlässlich zu sein, Erwartungen zu erfüllen oder niemanden zu enttäuschen, führt dazu, dass Fachkräfte sich selbst zurücknehmen. Langfristig kann dies zu Erschöpfung, innerem Rückzug oder Frustration führen. Dabei ist das Spüren und Kommunizieren von Grenzen Teil professioneller Verantwortung.

Grenzen wahrzunehmen bedeutet nicht, sich abzugrenzen oder weniger engagiert zu sein. Im Gegenteil: Wer die eigenen Grenzen kennt, kann bewusster entscheiden, wo Einsatz möglich ist und wo Pausen notwendig sind. Kleine Schritte wie bewusstes Nein-Sagen, klare Zeitfenster oder kurze Regulation im Alltag stärken das Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Grenzen, denen vertraut wird, schaffen Sicherheit – für Fachkräfte ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Sie bilden die Grundlage für stabile Beziehungen, Klarheit im Handeln und langfristige Gesundheit im pädagogischen Berufsfeld.

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